The Candy Box Intervention

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A description of a classroom intervention, that can be used in leadership classes. It is based on a art installation by Hans-Peter Feldmann at the KW Institute for Contemporary Art in Berlin. 

 

********** German Version **********
Diese Übung basiert auf einer Installation von Hans-Peter Feldmann, aus der Ausstellung One-on-One[16] am KW Institute for Contemporary Art in Berlin. In der original Installation steht eine Schachtel mit Milky-Way Riegeln, in einem Raum und es ist ein Schild mit dem Wort "Nein!" angebracht. Man darf die Riegel also nicht nehmen, auch wenn man unbeobachtet ist[17]. Der Gedanke der Installation wurde im Rahmen der "Candy Box Intervention" von Radel in den Lehr-Lernkontext übertragen.
Ablauf und Reflexion 
Den Studierenden wird in dieser Übung, im vermeintlich abgeschlossenen Raum der Vorlesung, die Möglichkeit eröffnet in die "Candy Box" zu greifen, ohne, dass es jemandem außerhalb des Raumes auffällt. Die Süßigkeit ist in diesem Fall allerdings keine reale Süßigkeit, sondern Punkte, die die Studierenden für die Klausur benötigen - also ein sehr realer Mehrwert, bezogen auf die Situation der Studierenden. Der Lehrende eröffnet diese Möglichkeit und lässt die Studierenden - unter Zeitruck - entscheiden, ob sie 50, 10 oder 0 Punkte aus der "Candy Box" nehmen wollen. Dabei wird die individuelle Wahl nicht kommuniziert. Nehmen aber mehr als 2 Studierende 50 Punkte - womit sie die Klausur definitiv bestanden hätten - dann bekommt niemand aus der Gruppe Punkte. Hierbei werden Elemente aus der Spieltheorie bzw. dem Gefangenendilemma genutzt. 
Während Unsicherheit entsteht, welche Wahl unter Zeitruck am günstigsten ist, werden Fragen der Ethik (ist es angemessen und erlaubt so etwas zu tun) oft ausgeblendet und können später in der Diskussion aufgegriffen werden. Ebenso stellt sich die Frage nach Vertrauen in der Gruppe (wird jemand 50 wählen und damit die 10 Punkte der anderen riskieren? Ist jemand so mutig oder "dreist" es zu tun?) und der Autorität gegenüber. Oft wird von den Gruppen ein Screenshot der Abstimmung gefordert. 
Nachdem die Abstimmung vollzogen wird die Reflexion des Prozesses bis hier hin moderiert. Dabei fällt auf, dass wohlmöglich nicht alle Studierenden im Raum waren, während abgestimmt wurde. Dadurch entsteht das Problem, dass es in der Gruppe ein Gefälle der gibt, die "haben" und derer, die "nichts haben". An dieser Stelle bietet es sich an das Konzept von Saul Alinsky, der "have-nots", zu illustrieren. Es beginnt dann eine Diskussion über Fairness und Leistung, aber auch darüber, ob diejenigen mit Punkten bereit sind mit denen zu teilen, die nichts haben. Gleichzeitig entsteht bei den Studierenden eine sehr milde Form der Survivors Guilt. Sie fühlen sich schuldig, dass sie da waren, abgestimmt haben und sich etwas aus der "Candy Box" genommen haben. Andere, die nichts genommen haben fühlen sich möglicherweise moralisch überlegen und verstärken die Spannung in der Gruppe. 
Undoing 
In diesem zweiten Schritt des "Undoings" geht es darum den Studierenden die Möglichkeit eines psychologischen Abwehrmechanismuszu eröffnen, die Situation "ungeschehen zu machen". Dazu gibt es folgendes Angebot:
1.    Die Studierenden können ihre Punkte zurück geben, müssen es aber mit einem Verweis auf Besitzstandswahrung nicht tun.
2.    Alle zurückgegebenen Punkte werden dann summiert und in einem Pool gesammelt.
3.    Alle Punkte aus dem Pool werden durch alle im Kurs eingeschriebenen Studierenden geteilt.
4.    Alle haben die Möglichkeit zu entscheiden ob sie Punkte aus dem Pool wollen oder nicht.
In den beiden extremen Ausprägungen bedeutet dies, dass sich jemand Punkte aus der Candy Box genommen hat, alle zurück gibt und keine aus dem Pool haben möchte. Ebenso kann jemand 50 Punkte aus der Candy Box genommen haben, diese nicht zurück geben und zusätzlich die Punkte aus dem Pool bekommen. 
Die Anwendung der Intervention erzeugt Konflikte in der Gruppe, die auch über die Veranstaltung hinaus wirken können, von daher sollte sie möglichst früh geplant werden, damit der Prozess reguliert werden kann.
 

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